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Klimaforscher: Klima in Deutschland hat
sich deutlich gewandelt
Potsdam (dpa) Das Klima ändert sich. Langfristig verändern sich die
einzelnen Klimabereiche in Deutschland jedoch deutlich. So sei der Südwesten
ganzjährig feuchter und milder geworden, sagte Friedrich-Wilhelm
Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einem
dpa-Gespräch. Der Osten Deutschlands werde hingegen trockener. Der
Niederschlag gehe dort vor allem im Sommer zurück. «Insgesamt prägen sich
die einzelnen
Im Durchschnitt seien insbesondere die Winter wärmer geworden: «Wir haben
in den vergangenen Jahren viel mehr milde Winter in Deutschland gehabt, als
wir sie noch vor 1970 hatten.» Auch in den anderen Jahreszeiten sei die
Erwärmung messbar, allerdings regional unterschiedlich stark ausgeprägt.
Ein Grund für die Klimaverschiebungen im Südwesten Deutschlands sei, dass
sich die so genannte Westwindzirkulation über dem Nordatlantik im Winter
verstärkt habe. Sie trägt feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. «Die
Tiefdruckgebiete vom Atlantik und Mitteleuropa treten häufiger auf und
dauern länger», sagte Gerstengarbe.
Das für die Region Brandenburg charakteristische relativ trockene Klima
hat sich nicht nur verstärkt, sondern auch nach Norden und Nordwesten
ausgedehnt. «In dieser Region muss sich die Landwirtschaft anpassen und in
den kommenden drei bis vier Jahrzehnten Pflanzen anbauen, die Trockenheit
besser vertragen.» Die Förster sollten daher statt der Kiefer-Monokultur
mehr Mischwald pflanzen. Dieser speichere die Feuchtigkeit besser.
Auch die Natur zeige den Klimawandel deutlich an. «Im gesamten Land
beginnt die Vegetationsperiode im Schnitt eine Woche früher als noch vor 100
Jahren.» Die Mehrzahl der Studien geben laut Gerstengarbe dem Menschen die
Hauptverantwortung für die Erwärmung. «Mindestens zwei Drittel der globalen
Klimaänderung sind auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen.»
Red Wetterservice 06.04
Interview mit Klimaexperten Mojib Latif
Das Wetter scheint in den vergangenen Jahren nicht nur in unseren
Breitengraden immer mehr verrückt zu spielen. Stürme, Überschwemmungen und
Brände sorgen offenbar Jahr für Jahr für schlimmere Verwüstungen. Trügt der
Eindruck oder sind die Unwetter womöglich ein Hinweis auf die globalen
Klimaveränderungen. n-tv.de fragte Mojib Latif vom Hamburger
Max-Planck-Institut für Meteorologie.
n-tv.de: Trockenheit, Stürme und Überflutungen Unwetter. Sind die
momentanen Wetterkapriolen normal?
Latif: Wir haben natürlich gerade ein sehr außergewöhnliches Jahr, um
langfristige Trends bestimmen zu können, muss man aber mehr als ein Jahr
betrachten. Blicken wir auf die vergangenen Jahre und Jahrzehnte, sehen wir
allerdings in der Tat, dass die extremen Wetterereignisse weltweit zunehmen.
Insofern passt das, was wir dieses Jahr erleben, durchaus in das Bild, dass
die globale Erwärmung allmählich auch unser Wetter beeinflusst.
n-tv.de: Der subjektive Eindruck vieler Menschen, dass die Unwetter von
Jahr zu Jahr zunehmen und heftiger werden, ist also wissenschaftlich
nachweisbar ...
Latif: Ja, der lässt sich nachweisen. Es gibt zum Beispiel eine Station
in den deutschen Alpen, den Hohenpeißenberg, wo es seit mehr als hundert
Jahren sehr gute Niederschlagsaufzeichnungen gibt. Dort sehen wir, dass die
extremen Niederschläge heute schon doppelt so häufig auftreten wie vor
hundert Jahren.
n.tv.de: Sie haben auf die globale Erwärmung hingewiesen. Welchen
Zusammenhang gibt es zwischen der Klimaveränderung und dem Wetterchaos?
Latif: Das ist an sich ein relativ einfacher Zusammenhang. In einer
wärmeren Atmosphäre verstärkt sich der Kreislauf zwischen Verdunstung und
Niederschlag. Der Mensch trägt durch seine vielfältigen Aktivitäten dazu
bei, dass sich die Atmosphäre erwärmt. Das ist die globale Erwärmung oder
der Treibhauseffekt. Dieser menschgemachte Effekt führt dazu, dass es auch
mehr extreme Niederschlagsereignisse gibt.
n-tv.de: Welche menschlichen Aktivitäten meinen sie?
Latif: Nun, vor allem erzeugen wir ja Energie durch das Verbrennen
fossiler Brennstoffe, also durch Erdöl, Erdgas und Kohle. Dabei entsteht
immer das Gas Kohlendioxid, CO2. Dieses so genannte Treibhausgas führt zu
einer globalen Erwärmung. Da nahezu alles, was wir tun, darauf gerichtet
ist, Energie zu verbrauchen, entsteht dabei fast immer auch CO2.
n-tv.de: Andere Forscher sehen in der jetzigen Erwärmung ein natürliches
Phänomen. Sie argumentieren, in der Geschichte habe es immer wieder Phasen
der Erwärmung und Abkühlung gegeben. Warum ist die Uneinigkeit unter den
Meteorologen - trotz aller Messergebnisse - so groß?
Latif: Die Uneinigkeit ist nicht groß. Ich würde das Verhältnis auf 99:1
beziffern. In den Medien kommt es aber als 50:50 rüber. Diese 99 Prozent
geben alle fünf Jahre im Auftrag der UNO und der Weltorganisation für
Meteorologie einen Bericht heraus. Daran arbeiten eigentlich alle
Klimawissenschaftler mit, die weltweit etwas zu sagen haben. Ihre
Einschätzung ist eindeutig: Es gibt einen erkennbaren Einfluss des Menschen
auf das Klima.
n-tv.de: Diese Meinung scheint sich ja auch in der Politik durchgesetzt
zu haben. Eine Konsequenz ist das Klimaschutzprotokoll von Kyoto. Sind die
dort beschlossenen Maßnahmen ausreichend?
Latif: Nein, Kyoto muss man eher symbolisch betrachten. Das war sozusagen
der Wendepunkt in der internationalen Klimaschutzpolitik, dass man nun erst
einmal den Ausstoß von Treibhausgas in die Atmosphäre bis 2012 um 5 Prozent
reduziert. Das reicht natürlich nicht aus.
n-tv.de: Was muss denn Ihrer Ansicht nach getan werden, um der
Klimaveränderung entgegenzuwirken?
Latif: Wir müssen langfristig, in den nächsten hundert Jahren, viel mehr
Treibhausgase reduzieren - und zwar fast vollständig, um fast hundert
Prozent im Jahr 2100. Wir müssen es wirklich schaffen, die fossilen
Brennstoffe durch erneuerbare Energien zu ersetzen, vor allem durch
Sonnenenergie. Dafür haben wir hundert Jahre Zeit.
n-tv.de: Wie lautet denn ansonsten Ihre Prognose, wie es mit dem Wetter
in Zukunft weitergeht?
Latif: Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten
noch schlimmer wird. Das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. Wir
hatten in den vergangenen hundert Jahren eine Temperaturänderung im globalen
Mittel von ungefähr 0,7 Grad. In den nächsten hundert Jahren werden wir auf
jeden Fall noch mal eine Erwärmung um ein Grad haben, weil wir schon so
viele Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen haben. Alles, was über
dieses eine Grad hinausgeht, haben wir noch in der Hand. Falls wir so
weitermachen wie bisher, müssen wir in den nächsten hundert Jahren mit drei
bis vier Grad Temperaturerhöhung rechnen.
n-tv.de: Sollten die von Ihnen geforderten Maßnahmen ergriffen werden,
wird sich das Klima dann wieder erholen?
Latif: Ja, aber es wird langsam passieren. Wir haben jetzt hundert Jahre
im wahrsten Sinne des Wortes Gas gegeben. Das Klima wird langsam darauf
reagieren, die Stabilisierung wird natürlich auch wieder 50 bis hundert
Jahre dauern. Wenn sie bei einem Auto Vollgas gegeben haben, dann dauert es
ja auch eine Zeit, bis sie die Endgeschwindigkeit erreichen. Dann können sie
das Auto aber natürlich auch nicht gleich anhalten - der Bremsweg ist sehr
lang.
(Das Interview führte Volker Probst.)
Hitzestress bei hohen Temperaturen und
Windstille kann die Zahl der Sterbefälle gegenüber dem statistischen
Durchschnitt um bis zu 25 Prozent erhöhen.
Tod durch
Hitzestress im Sommer !
Inzwischen mehren sich die Ratschläge der Experten an verschiedene
Risikogruppen, sich zu wappnen. Gegen den Einfluss des "thermischen
Wirkungskomplexes", so die Fachbezeichnung, hat etwa Angela Schuh,
Professorin am Institut für Balneologie und Klimatologie des Münchner
Uniklinikums Großhadern, eine Therapie entwickelt, bei der der Wärmefaktor
eine entscheidende Rolle spielt: "Wenn sich die äußere Temperatur ändert,
strebt der Organismus danach, seine 37 Grad konstant zu halten."
Besonders bei Hitze aber gerate er rasch in einen kritischen Bereich.
Während die Körpertemperatur nach unten 20 Grad Spielraum hat, Menschen also
Abkühlungen auf 17 Grad überleben, wird es nach oben eng. Bereits fünf Grad
zu viel sind eine tödliche Gefahr. Neben Herz-, Kreislauf- und Rheumakranken
sind alle "chronisch untertrainierten Personen mit schlappen Gefäßen und
Muskeln dadurch gefährdet", erklärt die Professorin. "Ihr Körper verkraftet
die Anpassung an neue Situationen schlecht."
Red Wetterservice 28.06.04
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