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Index:
Weitere Berichte über Klimaveränderungen
Gott und die
Klimaerwärmung
Fundamentalistische Christen in den USA
zeichnen sich auch dadurch aus, dass für sie Klimaerwärmung keine
wirkliche Bedrohung darstellt. Gott hat die Welt und das Leben in ihr
bis hin zum Menschen mehr oder weniger vollendet geschaffen, weswegen
größere evolutionäre Veränderungen oder katastrophale Zufälle im Plan
der göttlichen Vorhersehung keine Rolle spielen. Es wäre schon ein
Frevel aus dieser Sicht, wenn man es für möglich hält, dass Gott die für
den Menschen geschaffene Welt durch deren eigene Aktivitäten über eine
Klimaerwärmung gefährden lassen könnte
Unter den konservativen Christen in
den USA herrscht Uneinigkeit. Bislang konnten sie gegen die "Liberalen"
ihre Themen in den Vordergrund spielen und die Klimaerwärmung weitgehend
als Unsinn abtun. Ihr Einfluss reichte bis ins Weiße Haus hinein, so
dass die US-Regierung lange bestritt, dass die Klimaerwärmung etwas mit
den Menschen zu tun haben könnte. Man gab sich "wissenschaftlich", um
die Inaktivität beibehalten zu können, förderte neue Technologien, um
die Wirtschaft nicht zu gefährden und nichts verändern zu müssen,
weigerte sich, internationale Klimaschutzabkommen wie dem Kyoto-Abkommen
beizutreten, und sorgte sich geopolitisch, genügend Ölressourcen im
Nahen Osten, Kaukasus oder in Alaska sicherzustellen. Schon
unverbindliche Absichten wie in der letzten State of the Union-Rede, den
Energieverbrauch reduzieren zu wollen, stoßen bei der konservativen
Wählerschaft auf Ablehnung.
Erst vor wenigen Tagen hatte
US-Vizepräsident Cheney noch einmal die Ignoranz der US-Regierung
gegenüber diesem Thema in einem
Interview
deutlich gemacht. Weiterhin will er "wissenschaftlich" argumentieren,
dass man letztlich den Grund für die Klimaerwärmung nicht kenne, räumte
aber immerhin ein, dass es für die nächsten Jahre ein Thema sein werde.
Die USA hätten, so Cheney, sowieso besser als die meisten
Kioto-Mitgliedsstaaten Treibhausgase reduziert. Jetzt müsse man eher auf
Atomenergie setzen.
Ein von der US-Regierung in Auftrag
gegebener und seit einem Jahr
zurückgehaltener
Bericht für die Vereinten Nationen prognostiziert, dass der Ausstoß von
Treibhausgasen in den nächsten zehn Jahren nach der bislang verfolgten
US-Klimapolitik etwa im selben Maße wachsen wird wie im letzten
Jahrzehnt. Nach
Angaben
der New York Times beträgt der Zuwachs anstatt um 11,6 Prozent wie im
letzten Jahrzehnt in Zukunft 11 Prozent. Jetzt schon sind die USA für
ein Viertel der weltweiten Abgabe von Treibhausgasen in die Atmosphäre
verantwortlich. 2020 würde nach dem Bericht der Ausstoß von 7,7
Milliarden Tonnen im Jahr 2000 auf 9,2 Milliarden Tonnen um fast mehr
als 20 Prozent
steigen
Die Bush-Regierung will das als Erfolg verkaufen. Formelhaft zieht sich
die Bush-Regierung wie die christlichen Fundamentalisten dabei
ausgerechnet auf die Wissenschaft zurück. Man werde erst dann mehr als
nur eine (kleine) Reduktion der Zunahme des Ausstoßes vornehmen, wenn
dies wissenschaftlich gerechtfertigt sei.
Die vor allem aus dem "Macht Euch
die Erde untertan" abgeleitete Indifferenz christlicher
Fundamentalisten, vor allem Evangelikalen aus den USA, gegenüber dem
Umwelt-, Arten und Klimaschutz scheint allmählich aufzubrechen. So wurde
2006 von vielen Evangelikalen die
Evangelical
Climate Initiative gegründet, die zum
Handeln auffordert, weil die Klimaerwärmung ein ernsthaftes und von von
Menschen verursachtes Problem sei. Schon seit der Jahren tritt auch der
"grüne Reverend" Richard Cizik als Vizepräsident für
Regierungsangelegenheiten der NAE, für den Umweltschutz als Bewahrung
von Gottes Schöpfung ein.
Florian Rötzer
06.03.2007
Nasse Gräber
Die Pegelstände der
Ozeane steigen, die Anzahl von Stürmen und Überflutungen nimmt zu.
Verschwinden die Inselstaaten im Pazifik von der Landkarte? Die Südseerepublik
Kiribati befürchtet ihren Untergang.
Als eine der "King Tides" vor fünf Jahren erstmals über
die Uferstraße schwappte und die Grasfläche um das Haus unter Wasser setzte,
begann Itjenang Joane, 39, Steine zu sammeln. Bei Ebbe ging er hinaus aufs Riff,
schleppte Korallenbrocken heran, die er am Ufer zu einer Mauer aufschichtete.
Mächtig ist der Wall seither gewachsen: Fast zwei Meter hoch
türmen sich die flachen Brocken auf einer Länge von rund 60 Metern.
In Sichtweite der von Joane gebauten Barriere gegen die
"Königsfluten", die alljährlich um die Jahreswende gegen die flachen
Atolle branden, sind eher plumpe Schutzvorkehrungen gegen die Hochwasser zu
sehen. Verrostete Motorenblöcke, Drehgestelle von Schiffskränen, Radgestänge
und Autoreifen wurden auf dem Riff abgelagert.
Ihr Nutzen hält sich offenbar in engen Grenzen: Am Ufer
liegen Kokospalmen mit frei gespültem Wurzelwerk. Das Bild der Verwüstung
passt zu der Klage, die Teburoro Tito, Präsident der Republik von Kiribati,
immer aufs Neue formuliert: "Oh, unser geliebtes Mutterland versinkt im
Meer."
Mit seinem Wehmutsruf möchte der Präsident die
Aufmerksamkeit der Welt auf eine Gefahr lenken, die vielen Inselstaaten im
Pazifischen Ozean droht: Als Folge von Treibhauseffekt und globalem
Klimaumschwung dehnen sich die Wassermassen aus, der Meeresspiegel steigt, die
Anzahl wuchtiger und wirbelnder Winde nimmt zu, den Folgen sind die niedrig
liegenden Atolle schutzlos ausgeliefert.
Um bis zu 3,50 Meter, so hatte die US- Umweltbehörde Mitte
der achtziger Jahre kalkuliert, würden in diesem Jahrhundert die Pegel der
Ozeane ansteigen.
Inzwischen wurden solche Horrorzahlen auf Werte zwischen 20
und 100 Zentimeter heruntergestuft. Doch selbst diese abgeschwächte Prognose
"bedeutet für uns den sicheren Untergang", sagt Nakibae Teuatabo, 55.
Er bekleidet im Umweltministerium von Kiribati seit drei Jahren den Posten eines
"Klimaumschwung-Koordinators". Teuatabo will seinen Landsleuten
klarmachen, dass sie das, was sie an ihren Häusern, ihren Gräbern, ihren
Brunnen und ihren Kokospalmen beobachten, "einer Entwicklung verdanken, zu
der sie kaum beigetragen haben, von deren Folgen sie aber unmittelbar betroffen
sind" - dem Treibhauseffekt mit seinen möglichen Auswirkungen auf das
Weltklima.
Die Republik Kiribati besteht aus 33 Atollen, die sich im
Pazifik über eine Fläche von 3,6 Millionen Quadratkilometern erstrecken. 99,9
Prozent des Staatsgebietes sind Wasser. Die nutzbare Landfläche von 720
Quadratkilometern wird bevölkert von rund 85 000 Menschen, von denen ein
Drittel auf den Hauptinseln des Tarawa-Atolls leben - in einem, so Teuatabo,
"höchst zerbrechlichen Ökosystem".
Zwischen 50 und 250 Zentimeter über Normalnull ragen die an
ihren schmalsten Stellen nur wenige Meter breiten Inselchen aus dem Wasser. Beim
Anflug auf den Flughafen von Tarawa erfüllt der Blick auf die Atolle das
Postkartenklischee traumhafter Südsee-Idylle: lichtflirrende Gestade im Meer
mit grünem Kern, weißen Stränden und blauen Lagunen.
An Land bleibt von dem paradiesischen Eindruck die offene und
freundliche Art übrig, mit der die Bewohner den Besuchern Auskunft geben. Fast
jeder hat eine Geschichte zu erzählen von den seltsamen Veränderungen, die
sich seit ein paar Jahren im täglichen Inselleben bemerkbar machen.
"Es ist sehr viel heißer und trockener als früher und
auch nicht mehr so grün", sagt Teiangatoa Kienene, 82. Sie lebt zusammen
mit Tochter und Enkeln im Haus ihres Schwiegersohns Itjenang Joane. Um ihren
Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie zu leisten, dreht sie Tabakstrünke in
Pandanusblättern zu Zigaretten, die sie an einen nahe gelegenen Kiosk verkauft.
Betero Kaitangare, 65, hat sich vor einigen Jahren am
Lagunen- und Straßenrand ein Haus gebaut, an dessen Vorderfront er einen
kleinen Laden einrichtete. Im Januar unterspülten die Fluten die Rückseite,
die Wand brach weg. Kaitangare schickte seine Frau und seine Enkel zu Verwandten
in ein höher gelegenes Gebiet. Um sein Stück Land nicht zu verlieren, muss er
regelmäßig die Steinmauer zur Lagune ausbessern.
Der frühere Fischer Mikaere Tawaia, 52, bestreitet seinen
Lebensunterhalt damit, dass er das einzige Krankenhaus im Staat mit selbst
angebautem Kohl und Salat beliefert. Seine Ernteerträge sind üppig: wöchentlich
30 Kilogramm. Bewährt hat sich eine sinnreiche Konstruktion, mit deren Hilfe
Tawaia Wasser aus vier Meter Tiefe auf seine Beete pumpt. Aber seit einiger Zeit
gehen die Erträge zurück. Das Wasser, erklärt Tawaia, sei zunehmend salziger,
das beeinträchtigt das Wachstum: "Die Kohlköpfe werden kleiner."
Von Tawaias Einkünften leben außer seiner eigenen sechsköpfigen
Familie auch noch sein Bruder und zwei Neffen, die bei ihm Zuflucht gefunden
haben. Der Grund: Eine der jüngsten "Königsfluten" hatte Haus und
Hof des Bruders unter Wasser gesetzt und unbewohnbar gemacht.
Folge der Flut sei es auch gewesen, berichtet Gemüsebauer
Tawaia, dass man das Grab der verstorbenen Eltern, die traditionell auf dem
Grundstück beerdigt worden waren, auf einen höher gelegenen Friedhof verlegen
musste.
Versalzenes Grundwasser, lang andauernde Dürreperioden,
verdorrende Kokospalmen, überflutete Anwesen - dennoch: die derzeit verfügbaren
wissenschaftlichen Daten reichen nicht aus, um den Verdacht zu erhärten,
"all diese Geschehnisse stünden mit den globalen Klimakapriolen in
Verbindung", schränkt Teuatabo ein.
Deshalb, so der Umweltexperte, sei auch jede Diskussion um
eine Evakuierung der Insulaner verfrüht, Pläne für eine Umsiedlung gebe es
nicht. Sichergestellt sei, sagt Teuatabo, dass "die Regierung als Letzte
von Bord gehen" würde: Das neue Parlamentsgebäude, derzeit im Bau, liegt
3,60 Meter über Normalnull. Zudem: "Wo sollen wir hin? Auf andere
Inselreiche im Pazifik? Die haben doch die gleichen Probleme wie wir."
Anfang April dieses Jahres trafen sich die Umweltbeauftragten
von 22 pazifischen Staaten und Territorien in Rarotonga auf den Cook Inseln, um
über die möglichen Folgen eines Klimaumschwungs zu beraten. Vordringlich seien
der Einsatz und die Verbesserung wissenschaftlicher Geräte und Methoden, um
verlässliche Daten über den Pegelanstieg im Pazifik zu erlangen.
Im Pazifik wollen die Ökologen 3000 Bojen aussetzen; sie
sollen Temperatur und Salzgehalt des Ozeans bis auf eine Tiefe von zwei
Kilometern erfassen und die Daten an internationale Zentren versenden. In
Rarotonga waren sich die Umweltexperten auch darüber einig, dass die bereits
verfügbaren Messdaten besser ausgewertet und dann in politische Leitlinien
umgesetzt werden müssten.
Bisher sei es "ausgesprochen mühsam", so die
Erfahrung Teuatabos, "Politikern wissenschaftliche Daten und Ergebnisse zu
vermitteln". Seit November letzten Jahres besitzt die Republik Kiribati ein
"Umweltgesetz", dessen Bedeutung "allerdings jetzt erst einmal
den zuständigen Beamten und Sachbearbeitern erklärt" werden müsse.
Ob Kiribati langfristig auf der Weltkarte verzeichnet bleiben
wird, kann derzeit niemand sagen. Die Inselstaaten sind so knapp bei Kasse, dass
sie die erforderlichen Küstenschutzmaßnahmen wie Deiche oder Anpflanzung von
Mangroven, die in Kiribati die Erosion verlangsamen würden, nicht bezahlen können.
"Die reichen Länder müssten wenigstens teilweise die
Kosten unserer Küstensicherung übernehmen", so Teuatabo. Stattdessen,
klagt er, würden viele Industrienationen sogar internationale Vereinbarungen
wie das Kyoto-Protokoll, das eine Reduzierung der Treibhausgase vorsieht, nur zögerlich
umsetzen oder hintertreiben. "Vielleicht liegt es daran, dass wir so wenige
sind und deshalb vergessen werden", sinniert der Umweltschützer. In der
westlichen Welt würden jedes Jahr Millionen Dollar ausgegeben, um vom
Aussterben bedrohte Arten zu schützen.
Teuatabo: "Bald werden auch wir dazugehören."
RAINER PAUL
Ruß trägt stark zur Erd-Erwärmung bei
Ruß ist nach Kohlendioxid nach Forscheransicht der wichtigste
Stoff in der Atmosphäre, der zur globalen Klima-Erwärmung beiträgt. Zu diesem
Ergebnis kommt Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University auf
Grund von Modellrechnungen. Beschränkungen der Ruß-Emissionen sollten deshalb
bei internationalen Verhandlungen eine ähnlich starke Bedeutung zukommen wie
den Treibhausgasen, empfiehlt der Wissenschaftler im britschen Fachmagazin
"Nature" vom Donnerstag.
Der Einfluss von Ruß auf die Strahlungsbilanz der Erde ist außerordentlich
schwer zu bestimmen. Als winzige, aber feste Partikel verhalten sich
Rußteilchen in der Luft anders als Schadgase. Sie können fast rein als
schwarzer Staub vorliegen oder in unterschiedlichen Anteilen gemischt mit
anderen winzigen Feststoffpartikeln, so genannten Aerosolen. Dadurch ändern
sich ihre Farbe und ihre Strahlungseigenschaften. Je schwärzer der Ruß, desto
mehr Wärme hält er fest und reflektiert nur wenig Sonnenstrahlung in den
Weltraum zurück. Je größer der Mischungsgrad mit anderen Aerosolen, desto
weniger Wärme wird festgehalten.
Jacobsons Rechnungen zeigen, dass unter der wahrscheinlichsten Annahme das
Erwärmungspotenzial von Ruß zwischen den Werten von Kohlendioxid und Methan
(Erdgas) liegt. In Gegensatz zu den Gasen, die in der Atmosphäre eine
Lebensdauer von Jahrzehnten haben, ist Ruß nach rund einer Woche wieder aus der
Luft verschwunden. Er wird jedoch durch Verbrennungsprozesse aller Art ständig
nachgeliefert und kann deshalb nicht vernachlässigt werden.(Nature, Bd. 409, S.
695)
dpa
Auftauender Boden in Nordpolregion
beschleunigt Klimaerwärmung
Ein drastisches Auftauen der Böden im Nordpolargebiet kann zur
Beschleunigung der globalen Klimaerwärmung beitragen. Davor haben
Wissenschaftler am Mittwoch auf dem Globalen Umweltminister-Forum des
UN-Umweltprogramms (UNEP) in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gewarnt. Durch
das Auftauen der gefrorenen Böden werden demnach bislang eingeschlossene Gase
in die Atmosphäre abgegeben, die den Treibhauseffekt vorantreiben. Rund 14
Prozent des weltweit ausgestoßenen Kohlenstoffs lagerten sich in den
vergangenen Jahrhunderten nach Kenntnissen der UNEP-Forscher im Bodenfrost des
Nordpolargebietes ein.
"Der Bodenfrost funktioniert wie ein Kohlenstoff-Auffangbecken. Er hat
Kohlenstoff und andere Treibhausgase wie Methan über 1000 Jahre aufgefangen.
Das ist nun vorbei. Stattdessen schmilzt der Frost und setzt die Gase
frei", sagte Svein Tveitdal, Direktor des UNEP- Informationszentrums
Arendal in Norwegen, das das Auftauen der Arktis beobachtet.
Die Erwärmung des arktischen Bodens, das Auftauen und somit seine Aufweichung
habe auch Auswirkungen auf Straßen und Gebäude in der Region. Nach Studien der
Universität von Alaska in Fairbanks ist dadurch die Belastungskapazität des
Bodens um 70 Prozent verringert worden. In einigen Bereichen Sibiriens seien
bereits, bedingt durch das Nachlassen des Untergrunds, zahlreiche Gebäude
beschädigt.
dpa
Auslöser für El Nino gefunden
Vorhersage einfach
Dem Klimaphänomen "El Nino" geht eine kleine
Windanomalie im äußersten westlichen, äquatorialen Pazifik voraus. Allan
Clarke und Stephen Van Gorder von der Florida
State University nutzen diese Anomalie für ihr neues Model zur Vorhersage
von El Ninos. Die Wissenschaftler berichten von ihren Ergebnissen in den Geophysical
Research Letters.
Die Klimaanomalie "El Nino", die alle drei bis sieben Jahre das Wetter
im pazifischen Raum durcheinanderbringt, lässt sich möglicherweise recht
einfach vorhersagen. Ein halbes Jahr vor einem El-Nino-Ereignis, so fanden Allan
Clarke und Stephen Van Gorder heraus, gibt es im äußersten westlichen,
äquatorialen Pazifik eine kleine Abweichung der vorherrschenden Westwinde von
ihrer üblichen Stärke. Diese relativ geringe Anomalie wandert dann immer
weiter nach Osten und verstärkt sich dabei, weil sich die Abweichungen vom
Normalzustand in Atmosphäre und Meer gegenseitig aufschaukeln. Bei einem
ausgewachsenen El Nino strömt im Pazifik warmes Oberflächenwasser in Richtung
Südamerika. Das verhindert, dass vor der Küste Chiles kaltes,
nährstoffreiches Wasser emporquillt, wie es normalerweise der Fall ist.
Laut Clarke und Van Gorder, ging seit 1960 die Windanomalie allen acht El Ninos,
die sie analysierten, voraus. Daraufhin stellten sie ein Modell zur Vorhersage
von El Ninos auf, das, obwohl es so einfach ist, ebenso gut wie zwei andere
Modelle funktioniert, mit denen der starke El Nino von 1999 vorhergesagt werden
konnte. Auch das Abflauen eines El Ninos lässt sich mit dem Modell von Clarke
und Van Gorder vorausbestimmen. Das Modell liefert noch bessere Vorhersagen,
wenn die Ostgrenze des riesigen Warmwasservorrats im westlichen Pazifik mit
einbezogen wird, schreiben die Forscher in den Geophysical Research Letters (Bd.
28, Nr. 4, S. 579).
Ute Kehse
Wetterphänomen "El Ninos" führt zu
extremen Dürren und Regenfällen
Die tropischen Wetterphänomene "El Ninos" und
"La Nina" haben in den letzten 21 Jahren deutlich zugenommen. Laut der
Untersuchung von US-Klimatologen führt dies sowohl zu extremen Dürren als auch
zu extrem hohen Regenfällen, wobei die Dürren auf dem Festland überwiegen.
Alle zwei Jahre hat sich "El Nino" in den letzten zwei Jahrzehnten
gezeigt - früher war es nur jedes dritte bis vierte Jahr.
Robert Adler vom NASA
Goddard Space Flight Center und Scott Curtis von der University
of Maryland (UMBC) haben die Ergebnisse ihrer Tropical Rainfall Measuring
Mission (TRMM) auf dem Jahrestreffen der American
Meteorological Society in Albuquerque, New Mexiko vorgestellt. Die
Wissenschaftler sehen langfristig durch die veränderten Klimaverhältnisse eher
die Dürren zunehmen als die extremen Regenfälle.
Laut ihrem Bericht hat sich mit der Zunahme "El Ninos", der im
pazifischen Raum vorkommt, auch die Häufigkeit seines Pendants im atlantischen
Raum "La Nina" erhöht. Global gesehen, so Curtis, sind die
Niederschläge im zentralen Afrika eher gesunken, im Indischen Monsunbereich
dagegen eher gestiegen. Die Veränderungen im tropischen Bereich sei auf eine
Kombination von "El Ninos"" und "La Niña" zurück zu
führen. Curtis warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen, denn für klimatische
Langzeittrends müsse man deutlich mehr Jahre auswerten.
Frieder Graef
Naturkatastrophen zwingen zum Kampf gegen
Treibhausgase
Im Kampf gegen die Erderwärmung hat der Präsident des
Weltklimagipfels am Montag in Den Haag die Staatengemeinschaft eindringlich zum
raschen Handeln aufgerufen. "In der gesamten Menschheitsgeschichte hat sich
das Klima niemals so schnell gewandelt wie heute", sagte der
niederländische Umweltminister, Jan Pronk, zum Auftakt der Konferenz von rund
170 Staaten mit mindestens 6.000 Teilnehmern. Der Generalsekretär der Vereinten
Nationen, Kofi Annan, forderte in einem Grußwort einen radikalen Wandel der
Wirtschaft, aber auch des individuellen Lebensstils. "Die Aufgabe vor uns
ist gewaltig."
Die Bundesregierung tritt für eine weitgehende Verpflichtung der reicheren
Staaten zur eigenen Reduktion der Treibhausgase ein. "Wer jetzt noch auf
Schlupflöcher beim Klimaschutz setzt, macht sich mitverantwortlich für die
gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen", sagte
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in Berlin. Pronk betonte:
"Die Treibhausgase, die wir produzieren, haben einen sichtbaren Effekt auf
die Umwelt." Küsten drohten, zu versinken. Es gebe immer mehr extreme
Unwetter, Fluten und Dürren. Die Länder sollten nun die letzten nötigen
Schritte zur Umsetzung des Klimaprotokolls von Kyoto gehen.
Annan forderte von den Industrieländern glaubhafte Schritte zum Klimaschutz.
Sie sollten auch den ärmeren Staaten helfen, die Fehler der reicheren Länder
nicht zu wiederholen. Außerdem sollten die Industriestaaten das überzeugende
Signal an die Wirtschaft senden, dass sich die Verminderung von Treibhausgasen
auszahlt.
Es gebe keinen Zweifel, dass sich das Klima wandelt, sagte Robert Watson,
Vorsitzender des UN-Wissenschaftsrates zum Klimawandel (IPCC). Die wärmsten
drei der vergangenen 100 Jahre lagen laut Watson alle in den 90er Jahren. Wenn
nichts geschieht, sinkt laut IPCC die Nahrungsproduktion in den kommenden
Jahrzehnten vor allem in Afrika, Südamerika, dem Nahen Osten und Indien. Watson
verwies darauf, dass das IPCC eine Erwärmung von 1,5 bis sechs Grad bis zum
Jahr 2100 vorausgesagt hat - fast das Doppelte der Vorhersagen von 1995. Der
Meeresspiegel steigt nach den Prognosen um 15 bis 90 Zentimeter.
In der japanischen Stadt Kyoto hatten die Industriestaaten 1997 vereinbart, ihre
wesentlichen Treibhausgase in den Jahren 2008 bis 2012 um 5,2 Prozent im
Vergleich zu 1990 zu vermindern. Nun wird darum gerungen, auf welche Weise dies
geschehen kann. Davor wollen die Industriestaaten das Kyoto-Protokoll nicht
ratifizieren. Es tritt in Kraft, wenn es von mindestens 55 Staaten ratifiziert
wurde, auf die zusammen mindestens 55 Prozent der Industriestaaten-Emissionen
entfallen. Strittig ist vor allem, bis zu welchem Umfang die Industriestaaten
die schädlichen Stoffe selbst vermindern müssen und inwieweit ihnen andere
Wege zugestanden wird.
Nach dem Willen vor allem der USA sollen reichere Staaten ihre Pflicht zur
Verminderung von Treibhausgasen etwa durch die Förderung von Umwelttechnik in
ärmeren Staaten ableisten dürfen. Deutschland wird sich laut Trittin dafür
einsetzen, dass die Industriestaaten eine eigene Verringerung von
klimaschädlichen Gasen nicht durch Emissionshandel, Senken und Projekte im
Ausland umgehen. Staaten ohne ausreichende Verringerung von Klimagasen sollten
Geld in einen Sanktionsfonds zahlen, sagte Trittin im Westdeutschen Rundfunk
(WDR).
Bremsern wie der USA zuliebe sollte man keine Schlupflöcher zulassen, sagte
Christoph Bals, Klimaexperte der Umweltgruppe Germanwatch (Bonn) der dpa.
Notfalls müsse das Kyoto-Protokoll auch ohne Zustimmung der USA unterzeichnet
werden, forderte Jochen Flasbarth, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland
(Nabu). "Wachsende wissenschaftliche Beweise, dass sich das Klima bereits
ändert, muss die Alarmglocken in jeder einzelnen Hauptstadt läuten
lassen", forderte der Chef der UN-Umweltbehörde UNEP, Klaus Töpfer.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion warnte Trittin vor "falscher
Selbstgerechtigkeit auf Grund deutscher Erfolge". Ohne Kernenergie könnten
die künftig notwendigen CO2-Reduktionen auf Dauer nicht erreicht werden, sagte
der stellvertretende Fraktionschef Klaus Lippold. Die USA müssten ihre
Treibhausgas-Emissionen rasch vermindern.
Mitglieder der deutschen Umweltgruppe Robin Wood wollten nach Angaben eines
Sprechers am Montag das Dach des Kongresszentrums in Den Haag erklimmen, um ein
Transparent zu entrollen. Die Polizei brach die Aktion ab. Greenpeace-Mitglieder
halten seit vergangenem Samstag in Rotterdam ein Schiff mit Steinkohle aus
Australien besetzt. Sie möchten, dass sich die Konferenz gegen Kohlekraftwerke
ausspricht.
dpa
Ozonloch über der Arktis für 2020 erwartet
Teile Europas, Asiens und Nordamerikas sind betroffen
Jonathan Shanklin, einer der Wissenschaftler, die 1985 das Ozonloch
über der Antarktis
entdeckten,
erwartet ein Ozonloch in den nächsten 20 Jahren auch über der Arktis. Die vom
antarktischen Ozonloch bedeckte Fläche ist größtenteils unbewohnt. Das ist im
Fall der Arktis nicht so: hier wären große Teile Europas, Asiens und
Nordamerikas betroffen. Die Folgen für Mensch, Tier und Pflanzen könnten
verheerend sein. Die Ozon-Schicht absorbiert einen Teil der schädlichen
UV-Strahlung, die beim Menschen nicht nur Augen und Immunsystem schädigt,
sondern auch zu Hautkrebserkrankungen führt.
Ozon
bildet sich in der Stratosphäre
durch die Absorption von ultravioletter (UV) Strahlung der Sonne. Dadurch werden
Sauerstoffmoleküle zu atomarem Sauerstoff gespalten. Dieser verbindet sich mit
einem Sauerstoffmolekül und bildet Ozon (O3).
Durch das Abkühlen der Ozonschicht, vor allem im Winter, bilden sich polare
Stratosphärenwolken. Diese Wolken sind für die Abnahme des Ozons
verantwortlich, da in ihnen chemische Prozesse stattfinden, die Chlor
aktivieren. Das Chlor zerstört das Ozon. Als Folge wird die Schicht dünner
oder verschwindet, wie über der Antarktis.
Im Montreal-Protokoll von 1987 verpflichteten sich viele Staaten, die Produktion
und Nutzung der für den Ozonabbau verantwortlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe
(FCKW)
einzuschränken. Davon versprach man sich eine Selbstregenerierung der
Ozonschicht.
Obwohl die für den Ozonabbau verantwortlichen Gase in der Atmosphäre nicht
mehr zunehmen, ist der weitere Abbau des Ozon durch einen Feedback-Mechanismus
bedingt: durch den Ozonabbau wird immer weniger UV-Strahlung absorbiert und dies
führt zu einer weiteren Abkühlung der Stratosphäre. Auch die Erwärmung der
Erde durch den Treibhauseffekt spielt eine Rolle, da die Konzentration der Treibhausgase
in der Atmosphäre den Wärmeaustausch zwischen Atmosphäre und Stratosphäre
verhindert. Als Folge kühlt die untere Stratosphäre ab.
In den vergangenen elf Jahren wurde über der Arktis siebenmal eine Abnahme der
Ozonkonzentration festgestellt, ein Ozonloch konnte aber bisher nicht beobachtet
werden. Die im vergangenen Januar gemessenen Werte lagen allerdings deutlich
schlechter. Wissenschaftler des europäischen Forschungsprogrammes Theseo
2000 untersuchen in den nächsten Monaten in Nordschweden die chemischen
Vorgänge in der Stratosphäre. Sie wollen herausfinden, unter welchen
Umständen sich über der Arktis ein Ozonloch bilden kann.
Mehr Informationen über das Ozonloch finden Sie im bdw-Newsarchiv.
Katja Bammel und BBC
Wissenschaftlich bewiesen - Die Winter werden
immer kürzer
Während der vergangenen 150 Jahre ist der Winter auf der Nordhalbkugel der
Erde um 18 Tage kürzer geworden. In Nordamerika, Europa und Asien frieren
Flüsse und Seen heute genau 9,8 Tage später zu und tauen im Frühling 8,7 Tage
eher auf als um 1850. Aus alten Aufzeichnungen und Zeitungsarchiven haben John
Magnuson von der University of Wisconsin in Madison und seine Mitarbeiter
eine Statistik für den Zeitraum von 1846 bis 1995 erstellt. Darin ist die
Vereisungsdauer von 26 Gewässern in den USA, Kanada, Finnland, Russland, Japan
und Deutschland dokumentiert.
Die Verkürzung des Winters entspricht einer Erhöhung der Lufttemperaturen
um 1,8 Grad Celsius im untersuchten Zeitraum - mit einem Trend zu beschleunigter
Erwärmung in der jüngsten Vergangenheit. „Es sind solide Daten“,
kommentiert Magnuson das Ergebnis seiner Arbeitsgruppe. „Wir können mit
Gewissheit feststellen, dass es auf der Nordhalbkugel wärmer wird.“
Allerdings sage die Studie nichts darüber aus, ob diese Erwärmung auf die
Wirkung von so genannten Treibhausgasen in der Atmosphäre zurückgehe, meint
der Gewässerforscher. Dies hoffen die Wissenschaftler aus weiteren Analysen der
gesammelten Daten herausarbeiten zu können.
Einige der alten Aufzeichnungen gehen sogar wesentlich weiter zurück, und
sie zeigen, dass es auch schon früher stetig wärmer wurde, allerdings
langsamer als heute. So reichen Daten über den Eisgang auf dem Bodensee bis ins
9. Jahrhundert: Zwei Kirchen, eine auf deutscher und eine auf schweizerischer
Seite des Sees, tauschen jedes Jahr im Winter eine Madonnenfigur über den
zugefrorenen See aus.
dpa, Science und bdw
Grönlandeis schmilzt an den Rändern rasant
Das Eis an der Küste Grönlands schmilzt schneller als bisher
angenommen, geben NASA-Forscher bekannt. 51 Kubikkilometer des Eispanzers
fließen jedes Jahr ins Meer. Dadurch steigt der Meeresspiegel um 0.012
Zentimeter. Das entspricht sieben Prozent des jährlich beobachteten
Meeresspiegelanstiegs.
Aus der Luft konnten die Forscher der NASA
erstmals die Eisfläche genau vermessen und dabei feinste Höhenveränderungen
feststellen. Wie der Forscher William B. Krabill in der Fachzeitschrift Science
berichtet, nimmt das Küsteneis rapide ab. Dagegen wächst der Eispanzer im
Inland stellenweise sogar an.
"Das Schrumpfen erklärt sich nicht alleine aus dem Schmelzen", so
Krabill. Das Eis scheine vielmehr schneller über die Gletscher in das Meer zu
gleiten. Warum jedoch die Ränder des Eispanzers so schnell schwinden, sei noch
nicht geklärt. Möglicherweise reagieren sie schneller auf Klimaerwärmungen
als der zentrale Teil des Grönlandeises.
Frieder Graef und BBC
Haifischzähne verraten - Meer "Parathetys"
über Süddeutschland kühlte um vier Grad ab
20 Millionen Jahre alte Haifischzähne verraten dem Tübinger
Geologen Torsten Vennemann, welches Klima in Süddeutschland herrschte, als das
Land noch vom Randmeer Paratethys bedeckt war. Um vier Grad habe sich das
Meerwasser in der untersuchten Zeit vor 22 Millionen Jahren bis vor 17 Millionen
Jahren abgekühlt, entdeckte Vennemann anhand von Sauerstoffisotopen, den
unterschiedlich schweren Sauerstoffatomen, in den Zähnen der Fische. "Eine
solche Abkühlung haben andere Forscher, die das terrestrische Klima
untersuchen, für diese Zeit nicht feststellen können", sagt Vennemann.
Die Hebung des Meeres durch die Auffaltung der Alpen, die schlussendlich das
Meer verdrängte, oder sich ändernde Meeresströmungen könnten die Abkühlung
bewirkt haben. Außerdem stellte er fest, dass das Meer Paratethys über den
Rheingraben mit dem Atlantik verbunden war. Bisher nahm man an, Paratethys sei
isoliert gewesen.
Mehrere Umstände kamen dem Forscher der Eberhard-Karls-Universität
Tübingen zugute. Haizähne sind sehr haltbar. Dazu sind sie in
Süddeutschland recht häufig. "An guten Fundorten kann man in zwei Stunden
40 bis 60 Haifischzähne aus dem Sediment heraussieben", sagt Vennemann. Haie
haben sich zudem im Lauf der Evolution kaum verändert und der Aufbau von
Haizähnen ähnelt dem von menschlichen Zähnen. Während der Zahnbildung baut
der Körper bestimmte Stoffe ins Gebiss ein, die heute Aufschluss über die
damalige Umgebung geben. Denn welche Isotope beispielsweise des Elements
Sauerstoff in den Zahn integriert werden, hängt von der Temperatur der Umgebung
ab. Im Vergleich zu heutigen Zähnen lässt sich die damals herrschende
Temperatur bestimmen.
Besonders spannend ist die Untersuchung Vennemanns für den Einfluss von
Gebirgen auf das Klima. "Studien über den Zusammenhang zwischen
Gebirgshebung und Klimaschwankungen gibt es bisher wenig", sagt er. Deshalb
will er noch Haifischzähne in Griechenland sammeln, um Daten über die
Wassertemperaturen nördlich und südlich der späteren Alpen zu haben. Auch
zeitlich möchte er einen Schritt näher an die Gegenwart: Pferdezähne sollen
das Klima von vor 15 Millionen Jahren dokumentieren. Denn Haie gab es zu der
Zeit in Deutschland nicht mehr, ebensowenig wie das Meer Paratethys.
Cornelia Pretzer und idw
W I N T E R
A D E
Nie wieder Schnee?
In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an:
"Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird
es in unseren Breiten nicht mehr geben", sagt der Wissenschaftler Mojib
Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie.
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Schnee
auf dem Brocken: Bald Vergangenheit? |
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"Durch den Einfluss des Menschen werden die Temperaturen bei uns mit einer
Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent noch weiter steigen", meint Latif. Wegen
dieses so genannten Treibhauseffekts wird es in Mittel- und Nordeuropa künftig
mehr Westwindlagen geben. Das hätte wiederum regenreiche und noch mildere
Winter zur Folge.
Ein Zusammenhang zwischen der Erwärmung und den immer häufiger auftretenden
Flusshochwassern in Deutschland sowie den vermehrten starken Sturmfluten an der
Nordseeküste sei nicht nachzuweisen. Allerdings ließen Berechnungen der
Wissenschaftler eine gewisse Tendenz in dieser Richtung erkennen.
"Deutschland wird verstärkt unter dem Einfluss von Island-Tiefs stehen,
im Mittelmeerraum werden sich dagegen Azorenhochs verstärkt auswirken",
sagt der Meteorologe voraus. Für
Südeuropa bedeute dies mehr Dürren. "Eine wochenlange Wasserknappheit
wie im vergangenen Sommer auf Mallorca könnte dann zur Regel werden", befürchtet
Latif.
Immer folgenreichere tropische Wirbelstürme führt der Experte allerdings
nicht auf die globale Erderwärmung zurück. "Dass bei Hurrikanes, Taifunen
und Zyklonen immer mehr Menschen ums Leben kommen und immer höhere Sachschäden
zu beklagen sind, liegt vor allem daran, dass zwischen Florida und Bangladesch
immer mehr Menschen in bedrohten Gebieten siedeln", sagt Latif.
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| Sonnenbad im Münchner Englischen
Garten, 1. Februar 2000: Sieht so der Winter der Zukunft aus? |
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Rund die Hälfte des gemessenen Treibhauseffektes sei auf den Ausstoß von
"klimarelevanten Spurengasen" wie Kohlendioxid (CO2) zurückzuführen.
CO2 kommt vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle und Erdöl
in die Atmosphäre. "Etwa 15 Prozent des CO2-Ausstoßes entsteht durch die
Verbrennung tropischer Regenwälder", erläutert Latif.
Im Kyoto-Protokoll
hatten sich die Industrienationen 1997 auf eine CO2-Reduzierung um fünf bis
sieben Prozent geeinigt. "Bis spätestens zur Mitte des Jahrhunderts sollte
eine Reduzierung um 50 Prozent erreicht sein", hofft der Meteorologe. Bis
internationale Abkommen über eine Schadstoffreduzierung positive Auswirkungen
nach sich ziehen, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. "Wir gehen
von einer Verzögerung von 30 Jahren aus, der gegenwärtige Treibhauseffekt
wurde bereits Anfang der siebziger Jahre verursacht", betont der
Wissenschaftler.
Die Lage sei allerdings nicht hoffnungslos. Latif: "Computermodelle des
Max-Planck-Institutes zeigen, dass das Klima noch auf einem akzeptablen Niveau
zu stabilisieren ist".
"Als
Kind habe ich nie Donner gehört und Blitze gesehen ..."
Blitz
und Donner waren bislang unbekannt in hohen arktischen Breiten. Eine neue Studie
des Internationalen Instituts für Nachhaltige Entwicklung im kanadischen
Winnipeg belegt, dass Eskimos nun Wetterphänomene erleben, die in ihren mündlichen
Überlieferungen nie zuvor beschrieben wurden.
Ein Jahr begleiteten Forscher die Eskimos bei der Jagd und beim Fischfang auf
der Banks Insel, 600 Kilometer nördlich des Polarkreises. Dabei zeichneten sie
die Beobachtungen der Jäger (Inuit) auf. Ziel ihrer Arbeit war es, mit Hilfe
der Eskimos Veränderungen in der arktischen Umwelt zu erkennen.
Weil die Inuit ihr ganzes Leben mit Fischfang und Jagd verbringen, fallen ihnen
kleinste Veränderungen in ihrer Lebensumwelt auf, so Graham Ashford, einer der
beteiligten Wissenschaftler. "Sie sagen uns ganz genau, so oder so war es
früher nicht, und sie machen Angaben darüber, in welchem Maß sich etwas verändert
hat", berichtet Ashford.
"Als ich ein Kind war, habe ich niemals Donner gehört oder Blitze
gesehen", erzählt Rosemarie Kuptana aus Sachs Harbour auf der Banks Insel.
Die Studie listet eine Vielzahl weiterer Veränderungen auf. Tiere, die nicht
wissen wie sie sich bei Gewitter verhalten sollen, das Schmelzen von
Permafrost-Böden und dünner werdendes Eis. Vogelarten werden beobachtet, die
eigentlich viel weiter im Süden beheimatet sind.
Mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung wollen die Wissenschaftler auch Druck
auf die Politiker ausüben. Ashford fordert von der kanadischen Regierung sich
bei den in Den Haag stattfindenden Klimaverhandlungen für eine Reduktion der
Freisetzung von Treibhausgasen einzusetzen. (abcNEWS)
Ingo Ensminger
Bild der Wissenschaft Nov. 2000
Schneehaube
des Kilimanjaros in 20 Jahren abgeschmolzen
In 20 Jahren wird die komplette Eiskuppe des Vulkans
Kilimanjaro abgetaut sein, berichtet Lonnie Thompson von der Staats-Universität
Ohio. Schuld sei die Klimaerwärmung, gab der Forscher auf der Jahrestagung der
amerikanischen "Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft" in San
Francisco bekannt.
Seit 1912 ist das "ewige Eis" des mit 5.895 Metern höchsten Berges
Afrikas bereits zu 82 Prozent dahingeschmolzen. Das hat der Forscher mit Hilfe
alter Karten der Eisgrenzen des Berges errechnet. Erwärmt sich die Erde weiter,
werden die kleinen Gletscher und Eisflächen laut Thompson ganz verschwinden.
Das Abschmelzten der Gletscher wird schwerwiegenden Folgen für den
ostafrikanischen Staat Tansania haben, erklärt Thompson. Für Tansania ist der
Tourismus am Kilimanjaro eine der wichtigsten Einnahmequellen. Ohne die weiße
Haube jedoch verliert der Kilimanjaro, der "Berg des bösen Geistes",
an Charme. Zudem liefert das Schmelzwasser des Berges Trinkwasser für die
umliegende Bevölkerung, dient der Erzeugung von Strom und bewässert die
Felder.
Mathias Knaak 23.02.01
Der globale Klimawandel bringt
nach Ansicht von Experten vermehrt Stürme und Flusshochwasser. "Bei mehr
Westwindlagen mit mehr Stürmen und Regen steigt auch die Überflutungsgefahr
der Flüsse", betonte der Wissenschaftler Mojib Latif vom Hamburger Max-
Planck-Institut für Meteorologie in einem dpa-Gespräch. "Auf jeden Fall
wird es mehr Niederschlagsextreme mit richtig heftigem Regen geben", erklärte
der Diplom-Meteorologe. Immer häufiger würden die Flüsse die Wassermassen
nicht fassen können.
Latif gilt als einer der führenden Klimaforscher in Deutschland. Nach seiner
Ansicht ist der menschliche Einfluss auf den Klimawandel "ziemlich
klar". Er beruft sich unter anderem auf den in diesem Jahr erscheinenden
Bericht des Internationalen Gremiums für Klimaveränderungen (IPCC). Der von
der UNO und der Weltorganisation für Meteorologie (IMO) alle vier bis fünf
Jahre in Auftrag gegebene Bericht beschreibt in seiner neuesten Fassung den
Zeitraum von 1990 bis 1999 als das wärmste Jahrzehnt seit 1.000 Jahren. Mit
Beginn der Industrialisierung und besonders mit dem vermehrten Ausstoß des
Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) "geht die Kurve des Temperaturanstiegs
steil nach oben", sagte Latif.
Als direktes Ergebnis dieses Klimawandels habe die Dicke der Packeisflächen über
den Polgebieten in den vergangenen 50 Jahren bereits um 50 Prozent abgenommen.
Zudem sei ein Trend für eine Verringerung der Fläche erkennbar. "Hier kündigt
sich eine ökologische Katastrophe an", sagte der Experte. Der natürliche
Lebensraum für viele Tierarten werde vernichtet. "Im vergangenen
Jahrhundert stieg die Durchschnittstemperatur um 0,6 bis 0,7 Grad, in den nächsten
100 Jahren wird sie sich wahrscheinlich um weitere drei Grad erhöhen",
betonte der Klimaforscher.
Als Folge daraus wird sich der Meeresspiegel um knapp einen halben Meter erhöhen.
Nach einigen Klimamodellen sei sogar ein Anstieg um bis zu 88 Zentimeter möglich.
"Damit wären flache Inselstaaten wie die Malediven oder Mikronesien in
ihrer Existenz bedroht", meinte Latif. In Norddeutschland wäre eine
weitere Erhöhung der Deiche erforderlich. Der Meteorologe kritisierte:
"Arme Länder wie Bangladesch werden besonders unter katastrophalen Fluten
leiden, während die Industrieländer als Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes
und damit des Klimawandels weniger betroffen sind".
Latif zeigte sich skeptisch, dass die weitere Erderwärmung noch verhindert
werden kann. "Es gibt noch kein verbindliches Abkommen zur Verringerung der
Treibhausgase", kritisierte er: "Im vergangenen Jahr hat sich der
CO2-Ausstoß in Deutschland sogar erhöht". Der Klimaforscher sagte:
"Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Industrie ihrer
Selbstverpflichtung (zur Reduzierung des CO2- Ausstoßes) genügt".
Azorenhoch und Islandtief -
Nordatlantische Oszillation beeinflusst Klima stärker als bisher angenommen
Seit rund drei Jahrzehnten nimmt in Europa
die Anzahl der milden Winter zu. Gleichzeitig steigen Stärke und Anzahl der
Winterstürme. Die meisten Klimaforscher sehen darin keinen Zufall mehr, wie
sich auf der Chapman-Konferenz
der Amerikanischen
Geophysikalischen Union zeigte. Das berichtet die Fachzeitschrift Science.
Für
diesen Klimawandel verantwortlich ist die kräftigere Nordatlantische
Oszillation - eine überdurchschnittlich hohe Luftdruckdifferenz zwischen
Island und den Azoren. In Jahren mit positivem
NAO-Index sind Azorenhoch und Islandtief besonders stark ausgeprägt. Außer
in Europa sind in diesen Jahren auch die Winter an der Ostküste der USA
besonders mild und nass, in Nordkanada und Grönland dagegen besonders kalt und
trocken. In Jahren mit negativer
NAO sind sowohl das Hoch- als auch das Tiefdruckgebiet schwächer. Es gibt
weniger Winterstürme, in Nordeuropa und an der Ostküste der USA ist es kalt,
Grönland hat einen milden Winter.
Bis vor wenigen Jahren schenkten die Wissenschaftler der NAO wenig Beachtung,
weil man die Verteilung von positiven und negativen NAO-Jahren für chaotisch
und rein zufällig hielt. Insbesondere der lang anhaltende Trend hin zu
positiven NAO-Jahren hat diese Auffassung geändert. Als auslösende Veränderung
nennt N.P. Gillet von der Universität
Oxford die Abnahme der Ozonschicht.
M.P. Hoerling von der National
Oceanic and Atmospheric Administration sieht einen Zusammenhang zwischen dem
NAO-Trend und einer fortschreitenden Erwärmung des Indischen und des
Pazifischen Ozeans. Als Ursache für diese Erwärmungen nimmt man den
Treibhauseffekt an.
Die Chapman-Konferenz fand vom 28. November bis zum 1. Dezember 2000 in Orense
in Spanien statt.
Axel Tillemans
Klimaerwärmung - auftauender
Dauerfrostboden führt immer häufiger zu Katastrophen in den Alpen
Viele Wintersport-Orte sind durch Überflutungen und Erdrutsche bedroht
Viele der europäischen Wintersport-Hochburgen sind immer stärker
durch Erdrutsche gefährdet. Als eine der wesentlichen Ursachen dafür wird die
generelle Klimaerwärmung angesehen.
So stieg an vielen Orten der Alpen die durchschnittliche Bodentemperatur
innerhalb der letzten 15 Jahre um 1 Grad Celsius. Das kann zu Überflutungen,
Erdfällen und Erdrutschen führen. Insbesondere in den Alpen ist die erhöhte
Bodentemperatur ein Problem, da das Gelände durch besonders steile Hänge geprägt
ist auf denen zahlreiche Dörfer, Strassen und Eisenbahnlinien in unmittelbarer
Nähe der Dauerfrostgrenze angelegt wurden. Charles Harris von der Cardiff
University sagte deshalb an der Jahrestagung der Royal
Geographical Societyfür diese Gebiete verheerende Konsequenzen schon bei
relativ geringen Klimaänderungen voraus. Harris ist Koordinator des
internationalen Forschungsprojektes Permafrost and Climate in Europe (PACE),
welches die Dauerfrostgebiete in den europäischen Hochgebieten überwacht.

Bohrungen in der Nähe von Sankt Moritz haben ergeben, dass die
Durchschnittstemperaturen im dortigen Untergrund in den letzten 15 Jahren um 0,5
bis 1 Grad Celsius angestiegen sind. Wenn die Temperaturen im Berg selber nur
minus 2 Grad betragen, dauert es nicht mehr lange, bis die oberen Schichten
auftauen und instabil werden, meint Harris. Besonders problematisch sei dabei
die Verquickung mehrerer ungünstiger Umstände: So träfen hier Temperaturen,
die nur geringfügig unter null Grad liegen, zusammen mit relativ hohen
Eisgehalten im Boden und sehr steilen Hängen. Dies werde dazu führen, dass die
Dauerfrostböden relativ rasch auftauen, eine schwache Konsistenz aufweisen und
durch die Schwerkraft leicht in Bewegung geraten. Vor allem in der Zeit von
August bis Oktober sei das Risiko für temperaturbedingte Bergrutsche und
Schlammlawinen besonders hoch, sagt Harris.
Olaf Elicki 11.01.2001
Meeresbakterien
könnten Treibhauseffekt verstärken
Ein Temperaturanstieg im Oberflächenwasser
der Weltmeere könnte zu einer vermehrten Kohlendioxidproduktion von
Meeresbakterien führen und damit zu einer zusätzlichen Verstärkung des Treibhauseffektes.
Das befürchten zwei Forscher, die die Abgabe von Kohlendioxid bei
Meeresorganismen abhängig von der Temperatur untersucht haben. Ihr Ergebnis
haben sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Science"
vorgestellt.
Der Kohlendioxidaustausch zwischen Ozeanen und Atmosphäre ergibt sich im
wesentlichen aus der Differenz zwischen dem Kohlendioxid, das vom pflanzlichen Plankton
aufgenommen wird, und dem Kohlendioxid, das von Meeresbakterien ausgeatmet wird.
Richard Rivkin von der kanadischen Memorial
University of Newfoundland und sein französischer Kollege Louis Legendre
untersuchten die Effizienz, mit der Meeresbakterien den in ihrer Nahrung
enthaltenen organischen Kohlenstoff verwerten.
Sie fanden, dass die Bakterien den Kohlenstoff umso effizienter in Biomasse
umsetzen, je kälter es ist. Als Folge wird in den Polarmeeren nach Absterben
der Bakterien beziehungsweise der Lebewesen, denen sie als Nahrung dienten,
prozentual mehr Kohlenstoff zum Meeresgrund transportiert als in den Tropen. Da
der restliche Kohlenstoff als Kohlendioxid ausgeatmet wird, bedeutet dieses
Ergebnis im Umkehrschluss, dass die Bakterien umso mehr Kohlendioxid an die
Atmosphäre abgeben, je wärmer es ist. Rivkin und Legendre weisen darauf hin,
dass dieser Effekt in Klimamodellen bisher nicht berücksichtigt wurde.
Mehr zum Thema Kohlenstoffkreislauf
finden Sie im bdw-Newstickerarchiv.
Axel Tillemans 24.03.01
Blattporen beweisen: Kohlendioxid
reguliert das Erdklima
Bei Untersuchungen an Gingko-Blättern hat Gregory
Retallack von der Universität
von Oregon Hinweise darauf gefunden, dass der Kohlendioxidgehalt der Luft
direkten Einfluss auf das Klima hat. Über die Ergebnisse seiner Forschungen
berichtet er im Fachmagazin Nature.
Vor einigen Monaten allerdings hatte Jan Veizer von der Ruhr-Universität
Bochum zusammen mit kanadischen Kollegen ein widersprüchliches Ergebnis
veröffentlicht. Aufgrund von Untersuchungen an Fossilienproben waren sie zu dem
Schluss gekommen, dass es zwischen dem Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre und
dem Wechsel von Warm- und Kaltzeiten im Erdklima keinen Zusammenhang gibt.
"Meine Daten zeigen, dass wissenschaftliche Ergebnisse, die aufgrund von
Kohlenstoff-Isotopuntersuchungen zustande gekommen sind, in argen
Schwierigkeiten stecken", widerspricht Retallak. Er hat die Blätter von
lebenden und fossilen Ginkgo-Bäumen untersucht und deren Poren gezählt. Denn
zwischen der Anzahl der Blattporen und dem Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre
gibt es einen eindeutigen Zusammenhang: Je weniger Kohlendioxid
zur Verfügung steht, desto mehr Poren bilden die Blätter aus.
Retallak konnte die Kohlendioxidkonzentration für die letzten 300 Millionen
Jahre ermitteln. Deren Schwankungen stimmen mit den Temperaturschwankungen überein,
die man aufgrund von Sauerstoff-Isotopuntersuchungen an Meeresfossilien gewonnen
hatte. Bei Isotopuntersuchungen macht man sich zunutze, dass verschiedene Isotope
eines chemischen Elements bei bestimmten biologischen und physikalischen
Prozessen unterschiedlich behandelt werden.
Retallak glaubt, dass die Ergebnisse der Kohlenstoff-Isotopuntersuchungen durch
Methanausbrüche verfälscht worden sind, die wahrscheinlich mehrfach in der
Erdgeschichte stattgefunden haben. Am Anfang von Wärmeperioden werden riesige
Mengen von Methan
in die Atmosphäre entlassen, die vorher in gefrorenen Böden gefangen waren.
Dieses Methan oxidiert nach einigen Jahren zu Kohlendioxid, dessen
Kohlenstoffatome dann ein ungewöhnliches Isotopverhältnis aufweisen.
Axel Tillemans 23.05. 01
Frühlingsboten der Natur sprießen heute vielerorts zeitiger
als in früheren Jahrzehnten. In Hamburg blühen beispielsweise die Forsythien
einen ganzen Monat früher als in den 40er Jahren. Der Haselstrauch stand im
Rhein-Main-Tiefland im Schnitt der Jahre 1961 bis 1990 Mitte Februar in Blüte,
zwischen 1988 und 1999 war dies gut eine Woche früher der Fall. Das geht aus
Daten des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach hervor. Hat der Klimawandel den
deutschen Vorgarten erreicht?
Ekko Bruns vom Wetterdienst formuliert es vorsichtig: "Das sind
Momentaufnahmen, aber es gibt eine Tendenz zur Verfrühung." Er stützt
sich auf Aufzeichnungen, die zum Teil mehr als hundert Jahre zurück reichen
sowie auf Angaben von rund 1600 so genannten Phänologen in ganz Deutschland.
Die ehrenamtlichen Naturbeobachter zwischen Rügen und Bodensee melden regelmäßig
den Entwicklungsstand von Garten- und Feldpflanzen, Wildgewächsen und Bäumen.
Daraus werden unter anderem Pollenflug-Vorhersagen abgeleitet. Aber auch
Landwirte und Reiseunternehmen warten auf die Daten. Und zunehmend melden
Klimaforscher Interesse an.
Auch in diesem Jahr eilte die Vegetation wieder voraus. Im Februar lag die
Pflanzenwelt vor allem in Mittel- und Süddeutschland vier Wochen vor dem
"Normalen", berichtet Bruns vom Deutschen Wetterdienst. Doch dann kam
der kalte April und viele Bienenvölker verhungerten, weil sie keine Nahrung
fanden. Die Phänologin Helga Rönke aus Schwerin sagt: "Die Natur holt
trotzdem wieder auf."
dpa 34.05.01
Riesige Staubwolke aus der Mongolei belastet die Luft in Nordamerika
Eine gewaltige Staubwolke aus dem Gebiet der Mongolei hat sich bis in die
westliche USA ausgebreitet und löst dort Angst und Besorgnis aus. Der weiße
Staubschleier beeinträchtigt nicht nur die Sichtverhältnisse, er kann auch zu
Atemproblemen führen. In einigen Gebieten hat sich die Luftbelastung zeitweise
vervierfacht.
Der riesige
Staubschleier überzieht bereits ein Viertel des US-amerikanischen Festlandes.
Stellenweise, so berichtet Rene Servranckx vom Canadian
Meteorological Center in Montreal, erstreckt sich die Wolke über eine Länge
von etwa 2.000 Kilometer. Der Meteorologe verfolgt die Wanderung und Ausbreitung
der Wolke mittels Satelliten. So konnte er rekonstruieren, dass die Wolke auf
einen Sandsturm im Bereich der westchinesischen Wüste Taklimakan und der
ostmongolischen Gobi zu Beginn des Aprils zurückgeht.
Die Staubwirbel wurden durch kräftige Winde hoch in die Atmosphäre getragen
und nahmen bei ihrer Wanderung über China zusätzlich Industrieabgase auf,
zogen dann über Japan und Russland bis zum Golf von Alaska, von wo aus sie sich
entlang der Küste bis in die USA ausbreiteten.
Die Ausbreitung industrieller, von China verursachter Luftverschmutzung in den
USA wird seit 1998 beobachtet. Russ Schnell von der National Oceanic and
Atmospheric Administration (NOAA)
in Boulder/Colorado sieht in der jetzigen Situation auch eine Chance. Endlich,
so der Wissenschaftler, realisieren die Leute das, was Forscher bereits seit
Jahren anmahnen: Die Luftverschmutzung Asiens reicht bis über die Ozeane und
macht auch vor den USA nicht Halt.
Dabei ist die Verdriftung von Industrieabgasen kein neues Phänomen. So hat
beispielsweise saurer Regen, der durch Luftverschmutzung in den USA entstand, in
den Fischbeständen kanadischer Flüsse Tausende von Kilometern entfernt viel
Unheil angerichtet.
Olaf Elicki 01.05.01
Analyse von
Jahresringen in der Mongolei bestätigt die Erwärmung der Atmosphäre
Das Wachstum von Bäumen wird auch durch die herrschende
Umgebungstemperatur beeinflusst, so wachsen Bäume in Hochgebirgslagen bei erhöhten
Temperaturen vergleichsweise schneller und bilden breitere Jahresringe.
Wissenschaftler der Columbia
University untersuchten nun die Breite von Jahresringen an Kiefern in
Hochgebirgslagen der Mongolei und stellten fest, dass die Kiefern während des
letzten Jahrhunderts immer breitere Jahresringe bildeten. Im Jahr 1999 wuchsen
die weitesten Ringe. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass die
Umgebungstemperatur in diesem Gebiet während des letzten Jahrhunderts
angestiegen sein muss.
Das Baumwachstum wird von verschiedenen äußeren Faktoren, wie Wasser- und Nährstoffversorgung
aber auch von der Temperatur beeinflusst. Haben die Bäume gute
Wachstumsbedingungen bilden sie breite Jahresringe, sind die
Wachstumsbedingungen schlechter bilden sie engere Jahresringe. Von der Breite
der Jahresring eines Baumes lassen sich daher Rückschlüsse auf das Klima in
vergangenen Jahrhunderten ziehen. Mit Hilfe dieses Prinzips kann auch das Alter
von alten Holzgebäuden bestimmt werden ( Dendrochronologie).
Dies ist die erste Studie die in dieser Region Asiens durchgeführt wurde. Die
aus den Jahresringen abgeleiteten Temperaturveränderungen zeigen große Übereinstimmung
mit ähnlichen Untersuchungen aus alpinen Regionen Nordamerikas, Europas und
Russlands. "Unsere Ergebnise aus der Mongolei passen sehr gut in das
allgemeine Bild zur Erwärmung, das wir aus Untersuchungen in anderen Gebieten
der Erde gewonnen haben." erklärte Rosanne D'Arrigo, eine Autorin der
Studie.
Die Untersuchungen der Breite von Jahresringen helfen den Wissenschaftlern
festzustellen, ob es sich bei der Erwärmung der Atmosphäre um natürliche
Schwankungen des Klimas der Erde oder um einen durch den Menschen
hervorgerufenen Prozess handelt.
Ralf Möller 23.02.01
Klimaerwärmung
Die Folgen des
Treibhauseffektes, extremes Wetter in ganz Europa
Nach den Niederschlägen in der vergangenen Woche und als
Folge des Tauwetters in den Alpen werden vom Rhein und seinen Nebenflüssen
weiter steigende Wasserstände gemeldet. Am Kölner Pegel wurde am Mittwoch die
Hochwassermarke 1 überschritten, ab der die
Rheinschifffahrt teilweise eingeschränkt ist. Die Schiffe müssen sich seitdem
bei langsamer Fahrt in der Flussmitte halten. Einige Fähren haben ihren Betrieb
eingestellt.
Am Mittwoch stieg der Pegel noch mit zwei Zentimeter pro Stunde. Am Donnerstag
wird in Köln ein Wasserstand von sieben Meter erwartet. Wenn es keine weiteren
heftigen Niederschläge eintreffen, erwartet die Hochwasserschutzzentrale Köln
einen Maximalwasserstand von unter 7,50 Meter am Freitagmorgen. Wohngebiete wären
damit nicht betroffen.
Die extreme Kältewelle im Fernen Osten Russlands hat
in diesem Winter 60 schwarze Geier das Leben gekostet. Die Aasfresser, die Jahr
für Jahr aus dem Nordosten Chinas zum Überwintern in die Region Primorskij
fliegen, hätten nicht genug Nahrung gefunden, berichtete die russische
Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Mittwoch unter Berufung auf russische
Vogelkundler. Zwar seien im Januar spezielle
Futterkrippen für die hungernden Geier aufgestellt worden, dennoch seien
zahlreiche Exemplare der seltenen Vogelart gestorben, deren Bestand auf weltweit
höchstens 300 geschätzt wird. Bei Temperaturen bis unter minus 40 Grad waren
in den vergangenen Monaten auch dutzende Menschen erfroren.
Bei schweren Überschwemmungen in Osteuropa sind
bislang mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Zehntausende mussten nach
Behördenangaben vom Donnerstag vor den steigenden Wassermassen fliehen, nachdem
die Dämme der Theiss nach heftigen Regenfällen an zwei Stellen gebrochen
waren. Am schwersten betroffen ist die Ukraine. Dort wurden nach offiziellen
Angaben mehr als 200 Dörfer überschwemmt, 20.000 Häuser und 20 Brücken beschädigt.
13.000 Menschen wurden aus der Katastrophenregion evakuiert. Die Pegelstände übertrafen
noch die des Rekordhochwassers von 1998, als im Westen der Ukraine 18 Menschen
ums Leben kamen. Außenminister Anatoli Slenko rief die Europäische Union und
die USA zur Hilfe auf. 22.000 Rettungskräfte waren mit Amphibienfahrzeugen und
Hubschraubern im Einsatz. Die Überschwemmungen in Ungarn haben den höchsten
Stand seit mehr als hundert Jahren erreicht. In der Ortschaft Zahony an der
Grenze zur Ukraine wurde das Hochwasser am Freitag mit einem Stand von 7,50
Meter über normal Null gemessen und lag damit höher als das letzte
Jahrhunderthochwasser 1888, wie die Nachrichtenagentur MTI meldete. Dennoch
rechnete die Regierung in Budapest mit einem Rückgang der Wasserstände. In der
Ukraine, Rumänien und der Slowakei stiegen die Pegelstände nicht weiter, wie
der ungarische Verkehrsminister Janos Fonagy sagte. Zudem würden keine
nennenswerten Regenfälle mehr erwartet. Bei den schweren Überschwemmungen in
Osteuropa kamen bislang mindestens sieben Menschen ums Leben. 30.000 Ungarn
mussten vor den Fluten fliehen. In Rumänien entspannte sich die Situation nach
Angaben des
Umweltministeriums in Bukarest am Donnerstag etwas. Dort wurden bislang 2500 Häuser
beschädigt und 11.000 Hektar Land überflutet. 3700 Menschen mussten evakuiert
werden. Grund für das Hochwasser in der Region sind tagelange heftige Regenfälle
und die Schneeschmelze
in den Karparten.
Angesichts einer Rekordzahl von Naturkatastrophen im
vergangenen Jahr hat die Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft vor künftig
weiter steigenden Opfer- und Schadenszahlen bei Katastrophen gewarnt. Laut einer
am Montag in München vorgelegten Studie der Forschungsgruppe Geowissenschaft
der Münchner Rück wurden im vergangenen Jahr weltweit 850 Katastrophen
registriert, 100 mehr als im bisherigen Rekordjahr 1999 und 200 mehr als im
Mittel der 90er Jahre. Sowohl bei der Zahl der Todesopfer, als auch bei den Schäden
blieben die Katastrophen im Jahr 2000 jedoch weit hinter den vergangenen Jahren
zurück. Die Versicherungsexperten betonten jedoch, dass im Jahr 2000, «rein
zufallsbedingt, weniger dicht besiedelte Regionen und kaum Großstädte
getroffen» wurden. Bei den Naturkatastrophen des vergangenen Jahres starben
demnach
rund 10.000 Menschen. Im Vorjahr waren dagegen weit über 70.000 Menschen bei Überschwemmungen,
Stürmen, Erdbeben und anderen Naturkatastrophen ums Leben gekommen. Auch der
weltweite volkswirtschaftliche Schaden von Katastrophen lag im vergangenen Jahr
mit 30 Milliarden Dollar (62 Milliarden Mark) deutlich unter dem Vorjahresstand
von 100 Milliarden Dollar. Die versicherten Schäden beliefen sich im Jahr 2000
auf 8,3 Milliarden Dollar (17,4 Milliarden Mark) gegenüber mehr als 20
Milliarden Dollar im Vorjahr. Die für die Versicherungen «teuerste»
Katastrophe des vergangenen Jahres war der Taifun Saomani, der Mitte September
vor allem in Japan Schäden von einer Milliarde Dollar anrichteten. Die
wochenlangen Überschwemmungen in Großbritannien im Herbst 2000 schlugen bei
den Versicherungen mit Schäden in Höhe von 700 Millionen Dollar zu Buche.
Trotz der relativ glimpflichen Schadensbilanz des vergangenen Jahres könne bei
Naturkatastrophen allenfalls von einer Atempause, keinesfalls von einer
Trendwende gesprochen werden, warnen die Versicherungsexperten. Im Zuge des sich
abzeichnenden Klimawandels sei künftig mit noch häufigeren und größeren
Wetterextremen zu rechnen. So sei das Jahr 2000 in Deutschland und einigen
anderen Ländern das bisher wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen
vor mehr als hundert Jahren gewesen. Die Münchner Rück, bei der sich
Versicherungsgesellschaften für ihre Schadensrisiken versichern können,
verwies zudem auf jüngste Studien von UN-Klimaforschern, die einen weiteren
Anstieg der Temperaturen und des Meeresspiegels prognostizierten. Die Klimaveränderungen
wirkten sich nach Ansicht der Münchner Rück bereits heute in wachsender
Zahl und Intensität extremer Wetterereignisse aus. Zudem sei mit der steigenden
Weltbevölkerung und der zunehmenden Konzentration auf Ballungsgebiete und so
genannte Megacities mit einem weiteren Anstieg der Schäden bei
Naturkatastrophen zu rechnen
Wetterredaktion 15.03.01
Treibhauseffekt erstmals direkt
beobachtet
Englischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, den für die Klimaerwärmung
verantwortlichen Treibhauseffekt direkt zu beobachten. Das berichtet das Magazin
"Nature". Bisher kannte man dieses Phänomen vor allem aus
Modellrechnungen von Klimatologen.
Forscher um John Harries vom Imperial College in London haben
die Daten von zwei Satelliten aus den Jahren 1970 und 1997 verglichen. Beide
Satelliten haben die Wärmestrahlung vermessen, die die Erde verlässt. Die
Wissenschaftler stellten aufgrund der Daten fest, dass die Atmosphäre 1997
deutlich mehr Wärme auf der Erde zurückhielt als 27 Jahre zuvor.
Als Treibhauseffekt bezeichnet man das Phänomen, dass Gase wie Kohlendioxid und
Methan von der Erde abgegebene Wärme in der Atmosphäre festhalten. Da der
Mensch den Anteil dieser Gase in der Atmosphäre in den zurückliegenden
Jahrzehnten vergrößert hat, nimmt auch die Temperatur auf der Erde zu.
bdw 19.03.01
Die vergangenen drei Jahrzehnte waren die wärmsten des gesamten 2.
Jahrtausends. Zu dieser Schlussfolgerung kommen britische Wissenschaftler nach
einer Klima-Analyse der vergangenen tausend Jahre in der Zeitschrift Science.
Dass natürliche Phänomene wie El Nino die derzeitige Klima-Erwärmung
verursachen, halten Phil Jones, Tim Osborn und Keith Briffa vom Climatic
Research Unit der University of East Anglia dabei für unwahrscheinlich.
Damit untermauern sie die These, dass die derzeitige Klimaänderung nicht allein
durch natürliche Ursachen erklärt werden kann.
Auf der Nordhalbkugel war die erste Hälfte des Jahrtausends
wohl milder als die zweite, so die Wissenschaftler. Im 17. Jahrhundert war es
dagegen am kältesten, gefolgt vom 19. Jahrhundert. Das 20. war nach Ansicht der
Forscher das wärmste des Jahrtausends.
Rekonstruktionen für die Südhalbkugel sind weniger genau. Immerhin können
hier für die Zeit vor 1900 kühlere Bedingungen angenommen werden, doch die
deutlichen Schwankungen wie im Norden lassen sich nicht erkennen. Messdaten aus
der Antarktis belegen jedoch einen kontinuierlichen Temperaturanstieg bis in die
frühen siebziger Jahre. Seither gibt es dort kaum Veränderungen, so die
Autoren.
Für ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler sowohl direkte Messwerte
als auch alte Wetteraufzeichnungen, Jahresringe von Bäumen, Korallenskelette
und Eis-Kerne aus den polaren Regionen. Andere, oftmals übliche Klimaanzeiger
– beispielsweise das Zufrieren der Themse – erwiesen sich als fehlerhaft, da
sie oftmals zu stark von wetterunabhängigen Faktoren beeinflusst werden und zu
falschen Schlussfolgerungen führen.
Olaf Elicki 02.05.01
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